Themen

  • Bildungspolitik
  • Frauen- und Geschlechterpolitik
  • Integration

Silvia Kronberger

Soziologin und Germanistin, Hochschulprofessorin an der Pädagogischen Hochschule Salzburg Stefan Zweig, dort Leiterin des Instituts für Gesellschaftliches Lernen und Politische Bildung und des Bundeszentrums für Geschlechterpädagogik und -forschung.
Die Themen Diversität und Geschlechterforschung (Interkulturelles Lernen, Geschlechterpädagogik, Gendermedizin, Genderbudgeting und Wirkungsorientierung) bilden den roten Faden der Forschungs- und Lehrtätigkeit.
2016 Käthe Leichter-Preis für Frauenforschung, Geschlechterforschung und Gleichstellung in der Arbeitswelt.

Warum Liste Pilz?

Meine politische Sozialisation erfuhr ich in der Schule in Linz, dort war schnell klar, wo der Platz eines Arbeiterkindes ist – am Ende der Stirnreihe. Gleichzeitig versprach die Politik Aufstiegsmöglichkeiten durch Bildung. Diese Chance ergriff ich und lernte dabei, wie sehr die Politik die Chancen von Menschen, sich selbst und damit die ganze Gesellschaft weiter zu entwickeln, steuert. In der Bildungspolitik passierte das damals zum Beispiel durch Gratisschulbücher und Schülerfreifahrten und die Abschaffung der Aufnahmeprüfungen fürs Gymnasium, dies vor allem zur Unterstützung von Kindern, die wir heute als solche mit bildungsfernen Eltern und niederem sozialen Status bezeichnen – also arme Kinder.
Diese Gesellschaft zu studieren ging ich nach Salzburg. Ich wollte sie nicht nur studieren, sondern auch verändern und versuchte dies einerseits als Lehrerin, anderseits indem ich mich gegen die Privilegien der Hochkultur und für ein selbstverwaltetes Werkstätten- und Kulturzentrum einsetzte – die ARGE Rainberg. Deren Vorsitzende war ich – damals unter meinem früheren Namen Silvia Auer – abwechselnd mit einem Kollegen von den Anfängen der Bewegung bis zur Eröffnung der nunmehrigen ARGE Nonntal.
Diese politische Arbeit im Bereich der Kultur und anderen kommunalpolitischen Fragen setzte ich als Gemeinderätin der Bürgerliste in der Stadt Salzburg (1999 – 2004) fort.
Mein Ausstieg aus der aktiven Politik aufgrund der Erkenntnis, dass politische Arbeit sich mit drei kleinen Kindern nicht wirklich vereinbaren lässt, erweist sich nun als Pause. Denn die politischen Entwicklungen in der Welt und damit auch in Österreich sind bedrohlich – das Erstarken rechter demagogischer Parteien und deren autoritärer Führer bedrohen Demokratie und Frieden, diese Situation erfordert politisches Handeln.
Vor allem zwei Themen haben mich zu einem Engagement in der Liste Pilz bewogen: erstens die jahrelange Weigerung auch der Grünen, sich mit dem politischen Islam und dessen oft autoritärem, frauenfeindlichen und antisemitischem Gedankengut auseinanderzusetzen, sondern dieses Thema den rechten Parteien zu überlassen.
Zweitens, das Problem der „Politikverdrossenheit“: die Weigerung, sich mit politischen Themen intensiv zu befassen, befördert das Erstarken von antidemokratischer Politik und „einfachen Lösungen“. Es muss also darum gehen, politische Forderungen und Prozesse so zu beschreiben, dass sie verständlich und nachvollziehbar sind, ohne auf ihre Komplexität zu verzichten.
Schulen und Kindergärten sind mit diesen Problemen in hohem Maße konfrontiert, ihnen kommt eine hervorragende Rolle im Umgang mit den beschriebenen Themen zu – die Einführung der Gesamtschule ist eine wichtige Forderung in diesem Zusammenhang.
In Zeiten, wo die Kinder und Jugendlichen einen Großteil der Freizeit in Internet, Fernsehen und sozialen Netzwerken (in ihrer Erstsprache) verbringen, muss diesen und den Lehrerinnen und Lehrern vor allem mehr Zeit in der Schule zur Verfügung stehen.
Um Integration und Inklusion zu ermöglichen sind daher verschränkte Ganztagsschulen notwendig um den Lernstoff, aber auch Aktivitäten wie Sport, Theater, Kunst, handwerkliche Fähigkeiten, Projektunterricht und vor allem auch digitale Kompetenzen nachhaltig zu vermitteln. Dies um möglichst vielen Kindern die Möglichkeit zu bieten, ihre unterschiedlichen Kompetenzen zu erkennen und zu fördern aber auch sie herauszufordern. Heute ist das das Mittel der Wahl um Kindern die Chance, sich selbst und damit die ganze Gesellschaft weiter zu entwickeln, zu ermöglichen.
Vor allem Kinder, die als solche mit bildungsfernen Eltern und oft auch mit Migrationshintergrund bezeichnet werden, brauchen mehr Zeit und Unterstützung auf ihrem Bildungsweg, von diesen haben übrigens Buben geringere Bildungschancen als Mädchen. Lehrkräfte müssen für alle diese Herausforderungen vorbereitet und ausgebildet sein, interkulturelles Lernen und die Auseinandersetzung mit Heterogenität, Diversität, Geschlechterpädagogik sind dafür notwendig.

Ziele

  • Bis zur Einführung der Gesamtschulen (was vermutlich noch lange Zeit dauern wird) Führung aller Neuen Mittelschulen (frühere Hauptschulen) als verschränkte Ganztagsschulen – Bereitstellung der dazu nötigen personellen und baulichen Ressourcen.
  • Politische Bildung als Pflichtgegenstand in ALLEN Schulen und Schulstufen und in der Lehrer_innenbildung.
  • Interkulturelles Lernen (Heterogenität, Diversität, Geschlechterpädagogik) als verpflichtende Angebote in der Aus- und Weiterbildung für Lehrerinnen und Lehrer.